Prompts bauen, nicht raten

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Die meisten Menschen behandeln Claude wie eine Chat-Partnerin: Frage rein, Antwort raus, beim nächsten Mal formuliert man halt neu. Für eine einmalige Frage ist das völlig in Ordnung.

Sobald Claude denselben Job aber zuverlässig hundertmal machen soll — zwölf Blogartikel in deiner Stimme, Rechtstexte für acht Websites, Briefings für deine Texterin — bricht das Improvisieren zusammen. Jeder Lauf sieht anders aus. Ein Prompt für eine wiederkehrende Aufgabe ist keine Chat-Nachricht. Er ist ein kleines Stück Software. Und Software baut man, statt sie zu raten.

Ein Werkzeug, das Prompts baut

Ich baue für mein Website-Portfolio modulare KI-Systeme — Agenten, die Inhalte schreiben, SEO recherchieren, Rechtstexte entwerfen, Markenstimmen extrahieren. Jedes dieser Systeme beginnt mit einem Prompt. Also habe ich ein Claude-Projekt gebaut, dessen einzige Aufgabe es ist, Prompts zu bauen. Claude, das Prompts für Claude entwickelt.

Das Projekt drückt dir keine Vorlage in die Hand. Es führt erst ein Interview und konstruiert den Prompt dann gemeinsam mit dir — Schritt für Schritt, mit einer Begründung für jede Entscheidung.

Drei Phasen: erst verstehen, dann bauen, dann schärfen

Phase 1

Discovery — fragen, bevor geschrieben wird

Das Projekt klärt systematisch fünf Felder: die Kern-Aufgabe, die Input- und Output-Formate, Kontext und Komplexität, die Anforderungen (Ton, Must-haves, Edge Cases) und das technische Setup — API oder Chat, welches Modell, Caching, Extended Thinking.

Phase 2

Draft — den Prompt architektonisch aufsetzen

Der Prompt entsteht auf einem festen 10-Stufen-Schema, sauber getrennt in einen statischen System-Prompt und einen dynamischen User-Prompt. Jeder Baustein hat seinen Platz und seinen Zweck.

Phase 3

Refinement — schärfen, nicht aufblähen

Zum Schluss wird der Prompt auf die Aufgabe zugeschnitten: schlanker für Einfaches, Extended Thinking und Chain-of-Thought für Komplexes, dazu eine Caching-Strategie und konkrete Test-Szenarien inklusive Edge Cases.

Die Architektur im Detail

Der Kern des Werkzeugs ist eine bewusste Trennung: Was sich nie ändert, kommt in den System-Prompt. Was bei jedem Aufruf neu ist, kommt in den User-Prompt.

Diese Trennung ist nicht kosmetisch. Der statische Teil — Rolle, Ton, Hintergrundwissen, Beispiele — lässt sich über Prompt Caching zwischenspeichern und über viele Aufrufe wiederverwenden. Das spart Tokens und hält das Verhalten stabil. Der dynamische Teil bleibt schlank.

System-Prompt

statisch · cachebar

  • <task_context>
    Rolle und Hauptaufgabe
  • <tone_guidelines>
    Ton, Stil, Verhalten
  • <background_knowledge>
    Feste Definitionen, Strukturen, Regeln — ideal fürs Caching
  • <examples>
    Few-Shot-Beispiele für schwierige Fälle
  • <conversation_history>
    Frühere Interaktionen, falls relevant

User-Prompt

dynamisch · pro Aufruf

  • <content>
    Der eigentliche Input
  • <instructions>
    Schritt-für-Schritt-Anweisung
  • <important_reminders>
    Leitplanken gegen Halluzinationen
  • <output_format>
    Exaktes Zielformat — XML, JSON oder Markdown
  • Prefill
    Die ersten Worte von Claudes Antwort vorgeben

In jeden gebauten Prompt fließen dieselben Prinzipien automatisch ein: XML-Tags für klare Struktur, eine logische Reihenfolge der Schritte, konkrete statt vager Anweisungen, Few-Shot-Beispiele bei kniffligen Aufgaben, ein explizit definiertes Ausgabeformat und Leitplanken, die Halluzinationen vorbeugen.

Am Ende bekommst du nicht nur den Prompt, sondern ein komplettes Paket: eine kurze Analyse deines Anwendungsfalls, den fertigen System- und User-Prompt, Implementierungshinweise (empfohlenes Modell, Temperature, Max Tokens, Caching, Extended Thinking), ein paar Test-Szenarien inklusive Edge Cases und konkrete nächste Schritte.

So benutzt du es

  1. Lege in Claude ein neues Projekt an (Pro oder Team).
  2. Füge die heruntergeladene Anleitung als Projekt-Anweisung ein.
  3. Starte eine Unterhaltung. Das Projekt eröffnet mit der Frage, was Claude konkret für dich tun soll.
  4. Beantworte die Rückfragen — oder, wenn du den Anwendungsfall schon genau kennst, sag das und überspring das Interview. Das Werkzeug passt sich an.
  5. Du bekommst einen einsatzfertigen Prompt zurück. Den setzt du in dein eigenes Projekt oder deine API ein.

Tipp: Das Werkzeug wendet die Prinzipien aus Anthropics Prompting-Leitfaden automatisch an — du musst sie nicht auswendig kennen. Je präziser du im Interview antwortest, desto schärfer wird der Prompt.

Warum ich das herschenke

Weil Methode mehr wert ist als Geheimnisse. Der Hebel liegt nicht in einem magischen Prompt, den man hütet, sondern in einem wiederholbaren Verfahren, das jedes Mal verlässliche Ergebnisse liefert.

Genau so baue ich die Systeme hinter meinen Websites. Wenn du so etwas für deine Praxis oder dein Unternehmen brauchst — vom Website-Relaunch bis zum maßgeschneiderten KI-Workflow — ist das meine Arbeit bei somatic-web.de.

Zum Mitnehmen

Das komplette Werkzeug als Download

Die vollständige Projekt-Anweisung als Markdown-Datei, gepackt in einem ZIP. Kopier sie in ein Claude-Projekt, und du hast denselben Prompt-Engineer an deiner Seite.

Ein gutes Werkzeug verschwindet hinter der Arbeit. Bau dir den Prompt einmal richtig — und dann denk nie wieder darüber nach.

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